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Scheidung |
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Wiederverheiratung |
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heisst nicht gleichzeitig
Trennung
von der Kirche
Viele Menschen, die geschieden sind und solche, die sich erneut für
eine Ehe entschieden haben, fühlen sich von der katholischen Kirche
nicht verstanden, sondern sehen sich verurteilt und allein gelassen.
In dieser Situation möchten die kath. Seelsorger/innen von Baselland daran
erinnern, dass sie in diesen Fragen seit Jahren eine tolerante Praxis suchen,
die inzwischen zu einer gemeinsamen Überzeugung gewachsen ist.
Nach kirchlichem Recht kann eine Ehe nicht aufgelöst, folglich auch keine
weitere eingegangen werden. Diese Ordnung ist bekannt.
Bekannt ist aber auch, dass diese Regelung unzähligen Menschen in ihrer
konkreten Situation nicht gerecht wird und unnötig zusätzliche Härte
und Leiden schafft.
Bekannt ist ferner, dass die Kirche weit schlimmeres Scheitern und Schuldigwerden
in anderen Lebensbereichen nicht mit der gleichen Härte beurteilt.
Im konkreten Alltag ergibt sich folgendes Dilemma: Dem Verbot der Kirche steht
die Überzeugung gegenüber, dass bei einem festen Willen zu einer
dauerhaften Partnerschaft ein Neuanfang möglich sein sollte.
Auf der Suche nach Lösungen
Verschiedene Seelsorger/innen des Bistums Basel sind aus diesem Grunde seit
einigen Jahren darum bemüht, eine pastoral verantwortliche und menschliche
Lösung zu finden.
Wir erachten es als unseren Auftrag, einerseits auf die Bedeutung der kirchlichen
Trauung und das Ideal von Dauerhaftigkeit und Beständigkeit einer Ehe
hinzuweisen, andererseits die Botschaft eines verzeihenden Gottes in Wort und
Tat zu verkünden.
Es ist unsere Aufgabe, mit allen Kräften darauf hinzuwirken, dass Frauen
und Männer, die in dem schmerzhaften Prozess einer scheiternden Ehe stehen
oder eine Scheidung hinter sich haben, in den Pfarreien einen Ort finden, wo
sie über ihre Erfahrungen reden können und dabei verstanden und angenommen
sind.
Das muss für sie erfahrbar sein, auch im gemeinsamen Feiern des Gottesdienstes.
Denn darin findet christliche Gemeinschaft wohl den tiefsten Ausdruck ihrer
Verbundenheit.
Dabei muss zunächst ein weit verbreitetes Missverständnis ausgeräumt
werden:
Für Geschiedene besteht keim Hindernis - auch nicht von kirchenrechtlicher
und kirchenamtlicher Seite -, an den Sakramenten und dem Empfang der Kommunion
teilzunehmen.
Aber auch die Wiederverheirateten sollen wissen, dass sie dazu eingeladen sind,
wenn sie sich vor ihrem eigenen Gewissen dafür entscheiden, diese Einladung
anzunehmen.
Es ist uns ein Anliegen, dass die betroffenen Männer und Frauen um unsere
Bemühungen um mehr Verständnis und Toleranz ihnen gegenüber
wissen.
Wir suchen nach Möglichkeiten, zusammen mit ihnen einen Neubeginn zeichenhaft
zu feiern und in der Pfarrei öffentlich zum Ausdruck zu bringen.
Kath. Seelsorger/innen Baselland
im
Dezember 1993
Die kath. Seelsorger/innen von Baselland
sind nicht die Einzigen, die sich der Problematik von Geschiedenen und Wiederverheirateten
in der kath. Kirche stellen.
Den schweizerisch-deutschsprachigen Seelsorgeräten ist es ein dringendes
Anliegen, Wege zu finden ohne Ausschluss von Betroffenen.
Und die Bischöfe der oberrheinischen Kirchenprovinz (Freiburg, Mainz,
Rottenburg-Stuttgart) bestärken und fördern dieses Anliegen in einem
Grundsatzpapier, in dem sie individuelle, menschliche, auf das Gewissen der einzelnen
Personen bezogene Lösungen in kirchenamtlichen Strukturen suchen.
Hinter diesem Grundsatzpapier steht auch unsere Bistumsleitung.
Ein Ideal
und kein Gesetz
Die radikale Forderung Jesu nach der Unauflösbarkeit der Ehe bleibt: "Was
Gott verbunden, soll der Mensch nicht trennen" (Mk 10,6-9). Aber es geht
darum, diese Forderung als das zu sehen, was sie ist: Kein rechtliches Gesetz,
sonder ein Ideal.
Darauf hat vor allem auch die "Synode 72" hingewiesen, die bemüht
war, Beschlüsse und Erkenntnisse des 2. Vatikanischen Konzils (1962-65)
für die Situation der Schweiz zu konkretisieren. (Vgl. den Kommissionsbericht
der Synode 72,4.3.1)
Ein Ideal ist eine Zielvorstellung, nach der wir unser Denken, Fühlen
und Handeln ausrichten sollen.
Gleichzeitig ist es aber auch Bestandteil allgemeiner Erfahrung, dass Ideale
bei allem guten Willen eben nicht immer erreicht werden. So wie christliche Grundwerte
wie Gewaltfreiheit, Nächstenliebe und Solidarität nie vollkommen gelebt
werden, so geschieht es auch, dass das Ideal einer echten, bis an das Lebensende
dauerhaften Beziehung nicht immer erfüllt werden kann.
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